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WO MENSCHEN BRÜCKEN TREFFEN

Die Fotoausstellung wurde am 19. Januar 2019 in der Wissenschaftsetage des Bildungsforums Potsdam eröffnet und ist seit dem 4. November 2019 im Goetheinstitut Prag zu sehen.

Wohl nicht allzu viele technische Bauwerke regen unsere Fantasie durch Metaphern so an, wie Brücken. Wir denken an „Goldene Brücken“, „jemandem eine Brücke bauen“, „eine Brücke schlagen“. Wir wollen zu „Neuen Ufern“ oder „über uns hinauswachsen“. Wir denken aber auch an „alle Brücken hinter uns lassen“, „eine Brücke einreißen oder abbrechen“, „sich von einer Brücke stürzen“.

 

Nur zuvor Getrenntes kann durch eine Brücke verbunden werden. Getrennt sein können Menschen, Staaten, Landschaften, Ansichten. Ist die Brücke gebaut, führt ihr Überqueren erneut zur Trennung, zum „Hintersichlassen“. 

 

Brücken werden nicht nur mutig, sondern auch vorsichtig oder zurückhaltend betreten und überschritten. Unsicherheit, Zögern, Vertrauensverlust. Nicht Jeder kann vorher sicher sagen, dorthin will ich, um dann erleichtert festzustellen, ich habe es geschafft.

 

In dem deutungsvollen Prosastück Franz Kafkas „Die Brücke“ heißt es: „Ohne einzustürzen kann keine einmal errichtete Brücke aufhören, Brücke zu sein.“

Kann sie ihre Funktion nicht mehr erfüllen, bleibt sie Mahnmal, erinnert durch ihr bloßes Dasein an die ihr einst zugedachte Bedeutung. Das aber macht es möglich, dass sie eines Tages ihre Bestimmung wieder finden und erfüllen kann.

 

In den 40 Jahren meiner Tätigkeit als Fotograf berührten mich immer wieder trennende wie auch verbindende Ereignisse - mal mehr und mal weniger bewusst, aus dem Gefühl für eine Situation heraus. Manchmal glaube ich heute, nicht ich habe ein Bild gefunden, sondern das Bild mich. Solch ein Bild ist meine Fotografie „Stairway to heaven“. Hier ist es die Treppe, sind es die Stufen als Pendant zum Horizontalen der Brücke. Alle drei Dimensionen vereinen sich in diesem Bild. Wer möchte, dem stellt es die Frage nach dem Woher und dem Wohin.

 

Brücken sind für mich die Statik der Menschlichkeit - täglich bauen wir sie, betreten und überqueren sie,legen sie still oder reißen sie ein, um danach von vorn zu beginnen. Ein ewiger Kreislauf. Ob es Lebensläufe sind, Grenzanlagen, Landschaften, Bauwerke, Orte des Gedenkens oder Glaubens - die Liste kann beliebig ergänzt werden. Über Brücken verbinden wir uns, reisen, machen Geschäfte, treffen uns. Hierin liegt ihr tiefer Sinn.