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SEHNSUCHTSVOLLE TAGE 1989-90

Die Fotoausstellung  ist im Rathaus der Stadt Teltow vom 12. September bis 22. November 2019 zu sehen.

Als sehnsuchtsvoll lassen sich die Tage des Jahres 1989 , vor allem aber die des Herbstes 1989, ganz gewiss bezeichnen. 

 

Eine große Sehnsucht nahm immer mehr Raum in Gesprächen mit und unter Freunden ein. Der Wunsch, aus der Erstarrung auszubrechen, zeigte sich vielfältig. So suchten junge Familien Wege, um via Ungarn oder die Tschechoslowakei in die Bundesrepublik zu gelangen. Fachkräfte, vor allem aus Medizin, kehrten der DDR den Rücken, was niemandem mehr selbst durch intensivstes Schönreden in den Medien verborgen bleiben konnte. Verwandte, die sich seit dem Mauerbau nicht mehr treffen konnten, denen ein normales Familienleben auch an unterschiedlichen Orten versagt blieb, sehnten sich nach Nähe, nach Normalität. Der Wunsch nach Reisen in bisher nur einigen wenigen gestatteten Länder war übergroß. Aber auch der Wunsch nach Verbesserung der Lebensverhältnisse vor allem bei der Versorgung der Bevölkerung nicht nur mit Lebensmitteln sondern auch mit Dienstleistungen und technischen Geräten, mit dem ganz normalen Bedarf der Menschen war enorm, die Lücke riesengroß.

 

Die Sehnsucht nach Veränderung und Verbesserung, drückte sich aber keinesfalls in Randale auf der Straße, in Zerstörung und Wut gegen alles aus, wie es heute leider immer häufiger zu erleben ist. 

 

Nicht die Abschaffung des Staates stand in dieser Zeit bei den Protestierenden jeglicher Richtung an vorderster Stelle, seine wirkliche Demokratisierung war das Ziel. Dazu gehörten die Veranstaltungen in den Kirchen, die mit ihren kritischen Themen nach außen drangen, die diversen Umweltgruppen in allen Teilen der DDR, die mit Aktionen und klar benannten Themen die Öffentlichkeit aufrüttelten. Aber auch die ungezählten Diskussionen in den Betrieben und Instituten, an Schulen und Universitäten, zeugten von der großen Sehnsucht nach Veränderung. 

Und so trugen sie entscheidend zu jenen friedlichen Veränderungen bei, die ihren Höhepunkt in den Ereignissen der Nacht vom 9. auf den 10. November fanden.

 

Emotionale Höhepunkte bestimmten das Tagesgeschehen nicht nur an den Brennpunkten, auf die sich der Fokus der Weltpresse scharf gestellt hatte. Vorrangig war dies ja jenes Stück Mauer mitten in Berlin, das man heute allgemein als Berliner Mauer bezeichnet. 

Aber hier in Teltow, Kleinmachnow und Potsdam konnte ich die Menschen und die mit ihnen verbundenen Ereignisse über ein Jahr unbeeinflusst vom Presserummel mit meiner Kamera begleiten. Die gewonnenen Eindrücke bestimmen noch heute meine Überzeugung von der Richtigkeit der damaligen Ereignisse, mögen sie auch in mancher Hinsicht fehlerhaft gewesen sein. Einen hilfreichen Leitfaden gab es nicht. 

 

Bernd Blumrich